Im Zentrum Andrea Kuemmerles Arbeit steht die Frage, wie aus einem geschlossenen Körper Schritt für Schritt eine offene, durchlässige Struktur entstehen kann. In Werkgruppen wie Zwischenräume und Lichtnester wachsen keramische Formen zu feinen Geflechten aus Stegen und Öffnungen. Unregelmäßigkeiten, Bearbeitungsspuren und kleine Verschiebungen bleiben bewusst sichtbar und werden Teil der Form.
Die unglasierte Keramik wirkt dabei matt, porös und beinahe archaisch. Einzelne glatt glänzende Glasurflächen setzen dazu einen bewussten Kontrast und lenken den Blick auf Licht, Oberfläche und Materialität. Auch der Entstehungsprozess bleibt in vielen Arbeiten ablesbar: Beim Kordelwuchs etwa werden von Hand gerollte Tonstränge einzeln übereinandergelegt, innen verstrichen und außen in ihrer Struktur sichtbar belassen.
Kuemmerles Arbeiten bewegen sich zwischen Gefäß und Skulptur. Sie wirken weniger konstruiert als gewachsen und machen die Spannung zwischen Kontrolle und Eigenleben des Materials erfahrbar. Gerade darin liegt ihre besondere Qualität: Die Form entsteht nicht gegen den Ton, sondern mit ihm.
Andrea Kuemmerle kam über einen ungewöhnlichen Weg zur bildenden Kunst. Nach einem Studium des Modedesigns arbeitete sie unter anderem für Karl Lagerfeld in Paris. Seit 2022 widmet sie sich intensiv der Keramik, seit 2023 arbeitet und lernt sie beim Bildhauer Max Wagner. Seit 2024 ist sie freischaffende Künstlerin. Bei Muellerschoen Recker Contemporary waren ihre Arbeiten bereits 2025 in der Ausstellung Conversation Pieces zu sehen.
Die Künstlerin lebt und arbeitet in München
Akademie der bildenden Künste Kolbermoor, Paperclay
Schülerin des Bildhauers Max Wagner (Mitglied der Münchner Session)
Akademie der bildenden Künste Kolbermoor, Keramik
Studium Modedesign, Sigmaringen